CALIGULA
(CAIUS CAESAR)
37-41 n- Chr.
."Als
man ihm bemerklich machte, daß er ja bereits hoch über allen Fürsten
und Königen stehe, fing er von der Zeit an, sich göttliche Majestät
beizulegen. So gab er den Auftrag, die durch religiöses Ansehen und Kunstwert
ausgezeichnetsten Götterbilder, unter ihnen auch das des Olympischen Jupiter
aus Griechenland nach Rom zu bringen, um ihnen die Köpfe abzunehmen und den
seinen daraufsetzen zu lassen."
"Sogar einen eigenen Tempel stiftete er seiner Gottheit nebst Priestern und
spitzfindig ausgeklügelten Opferungen. In dem Tempel stand sein goldenes
Porträtstandbild von natürlicher Größe, das täglich
mit dem gleichen Gewand bekleidet wurde, wie er selbst es trug. - In den Nächten,
in denen Luna in vollem Lichte glänzte, lud er sie regelmäßig
zu Umarmung und Beilager ein, bei Tage dagegen hielt er heimliche Unterredungen
mit dem Kapitolinischen Jupiter. Bald flüsterte er ihm ins Ohr, bald wieder
hielt er ihm sein Ohr hin, zuweilen sprach er laut und zankte sogar. Denn einmal
hörte man ihn drohend auf griechisch die Worte ausstoßen: Hebe du mich
oder ich dich !"
"Caligula
war von hohem Wuchs, bleicher Farbe und gewaltigem Körperumfang. Doch waren
Hals und Schenkel sehr dünn, Augen und Schläfe tief eingefallen, die
Stirn breit und finster, das Haar dünn mit einer Glatze auf dem Scheitel,
der übrige Körper stark behaart."
"Gesund war er weder an Leib noch Seele. Als Knabe litt er an Epilepsie.
Man glaubt, er habe von seiner Gemahlin Cäsonia einen Trank erhalten, der
zwar nur ein Liebestrank gewesen, aber doch Wahnsinn zur Folge gehabt habe. Wohl
nicht mit Unrecht möchte ich es auf diese seine Geisteskrankheit zurückführen,
daß in demselben Menschen die beiden so völlig entgegengesetzten Fehler
vorhanden waren: höchstes Selbstvertrauen und dagegen übertriebene Furchtsamkeit.
Er, der z. B. die Götter so sehr verachtete, pflegte bei dem geringsten Donner
und Blitz zusammenzuzucken und das Haupt zu verhüllen, bei stärkeren
sogar vom Lager aufzuspringen und sich unter dem Bette zu verstecken."
(Sueton, Gajus Cäsar Caligula, 22,, 5o, 51)