Ihn,
wie auch uns heute noch, begeisterten die Darstellungen nicht nur wegen des darstellerischen
Gehaltes, sondern vor allem wegen der Möglichkeit, gerade in der doch "prüden"
Zeit des Anf. 19. Jhdts., sinnbildlich Botschaften zu übermitteln. Fein reduzierte
er ganz im klassischen Sinne die Attribute, vermied Überfüllung und
stellte das Wesentliche in den Vordergrund.
Die
dargestellte Weiblichkeit der Nacht, mit ihrem nur leicht gebundenen Kleid, stellt
sowohl Mutter als auch ein engelsgleiches Wesen dar, sehr im Trend der damaligen
biedermeierlichen und verherrlichenden Zeit.
Die
beiden schlafenden Kinder sind absichtlich geschlechtslos dargestellt, denn vor
allem soll dem Betrachter auffallen dass ein behütender und wohliger Schlummer
sie eingeholt hat. Die Besinnlichkeit des Gesichtsausdruckes der beschützenden
Weiblichkeit gibt der Szene etwas schon fast Intimes.
Doch ganz ohne Symbole
wollte Thorwaldsen doch nicht auskommen, denn eine Eule fliegt zu Füßen
der Szene.
Hiermit
wollte Thorwaldsen sicher auf das Sinnbild der Intelligenz, der Schläue und
der geistigen Beweglichkeit anspielen. Nachts, wenn alles schläft erwacht
die Eule und stellt die Weichen für den Tag danach, und nur weil wir diesen
Zyklus nicht unser Eigen nennen wurde vor allem in der christlichen Geschichte
dieses Tier mit einem undeutsamen und mystischen Ausdruck belegt, und das so wirksam
dass sich heute noch Menschen beim Ruf der Eule einer Gänsehaut nicht erwehren
können.
Im
Gegensatz zur Nacht verzichtet Thorwaldsen bei der Darstellung des Tages nun auf
die Darstellung von zwei Kindern, als wolle er sagen, beide sind nicht zu hüten.
Diesmal aber ist ein Junge dargestellt, eine Fackel haltend als wolle er in seinem
kindlichen Übermut der Mutter den Weg zeigen, doch der kontrollierende Blick
der Weiblichkeit verrät uns, dass neben ihren anderen Tätigkeiten (
hier das Streuen von frischen Blüten) ihre Hauptsorge dem "Sproß"
gehört, die anerkennende Liebe in ihrem Gesicht verrät die tiefe Verbundenheit
und gleichzeitige Freude.
Die Symbolik der Blüten taucht bei Thorwaldsen
des öfteren auf, da auch er an die ständige Vergänglichkeit und
die wiederkehrende Erneuerung glaubte und mit diesem Hinweis zu sagen scheint:
"Genieße den Augenblick".
"Die
3 Grazien"
Handausformung als Relief nach einem
vollplastischen Modell von Bertel Thorwaldsen Rom 1817.
Dieses
hinreißende Flachrelief beruht auf der Grundlage der am Anfang des 19. Jhdt.
von Bertel Thorwaldsen geschaffenen Figurengruppe "3 Grazien mit einem Amor".
(s. Unten)
Ursprünglich
hatte Thorwaldsen in seinen vollplastischen Schöpfung den Amor zwischen die
Beine der 3 Grazien und damit etwas in den Hintergrund gesetzt, was bei dieser
Ausführung zugunsten der besseren Bildkomposition vernachlässigt wurde.

(Thorwaldsenmuseum,
Kopenhagen/Dänemark)
Um
die Details des Flachreliefs zu erhöhen, gruppierte er in der vorliegenden
Fassung die 3 Grazien neu, damit die Dynamik eher durch die zentrale Figur ausgelöst
wurde.
Der
Amor wurde auf die rechte Seite gesetzt um eine Verlängerung zum angewinkelten
Arm der rechten Grazien zu setzen.
Aufwendig
ist vor allem die Umsetzung der Körperlichkeit durch den aus dem Relief ragenden
Fuss der mittleren Grazie, welcher uns vielleicht zeigen soll, dass Thorwaldsen
trotz Reliefausformung nicht auf einen gewissen Einfluss aus seiner Freiplastik
verzichten wollte.