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Relief
des Tiberius (groessere
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TIBERIUS
(TIBERIUS CLAUDIUS NERO) 14-37 n. Chr. "In
einer Büste des Tiberius, die man für die schönste von allen erklärt,
welche von einem Imperator auf uns gekommen, ist nichts wahrzunehmen, was Blutdurst
oder Heuchelei verriete; wohl aber atmet sie ein Bewußtsein eingeborener
Kraft und der höchsten Würde, strenger Größe mit einem Zug
von Verachtung der Gegner, die er für überwältigt zu halten scheint.
Man bemerkt
dabei das auf den Nacken fallende Haar des Hinterhauptes, wie es Tiberius nach
der Gewohnheit der Claudier trug; die straffe Haltung des Nackens erinnert an
die Bildnisse des Jupiter. Die Erscheinung des Tiberius war überhaupt gebieterisch.
Selten brach er sein Schweigen; auch gegen die nächsten Angehörigen
ließ er sich nur in kurzen, langsam ausgesprochenen Worten vernehmen. Tiberius
hatte sich schon in seinen Feldzügen daran gewöhnt, auf niemand zu hören,
sondern nur seinem eigenen Willen zu folgen, wenn derselbe auch mit der allgemeinen
Meinung in Widerspruch geriet. So trat er denn auch im Besitz der höchsten
Gewalt auf, die ihm zuteil geworden war. Verschlossenheit bis zum Augenblick,
wo er handelte, war ihm Natur, was ihm dann den Vorwurf der Heuchelei und Verstecktheit
zuzog, da er, plötzlich losbrechend, kein Mittel scheute, um den Feind zu
vernichten, entschlossen, wie er war, seine Gewalt, auf die ihm nicht einmal ein
Recht der Geburt zustand, gegen jede Art von Widerspruch oder Gefahr zu verteidigen.
In seinem Selbst sah er zugleich den Eckstein des gesamten Staatsgebäudes;
zu dem persönlichen Motiv der Selbsterhaltung fügte er das andere hinzu,
daß das Wohl des ganzen auf derselben beruhe. Über den unterworfenen
Erdkreis, den er vor neuen Verwirrungen schützte, hielt er zugleich das gezückte
Schwert in der Hand, mit welchem er jede Regung der Opposition rücksichtslos
und grausam, aber in gesetzlichen Formen niederschlug vielleicht eine Notwendigkeit,
die aber nicht allein Erstaunen, sondern selbst Grauen erweckt und doch niemals
ohne Gefahr ist. (L.
v. Ranke, Weltgeschichte, Zweiter Band. Zweites Kapitel) |