Wer
war Antonius
Pius (Titus Aurelius Antonius Pius)
138 - 161 n. Chr.
" Er besaß jene freundliche Milde, welche die Herzen gewinnt.
Er war nüchtern und fleißig, unter anderem auch beim Landbau,
ohne jedoch einen Ehrgeiz darin zu suchen. In allen häuslichen
Verhältnissen hat er sich vorbildlich betragen; auch durch die
Fehler seiner Frau ließ er sich nicht darin beirren. Dieser
selbst sagte er: indem er die Regierung übernehme, gewinne er
doch nichts für sich selbst dabei; vielmehr müsse, was sein
Eigen gewesen, jetzt der Republik zugute kommen. Schon bisher
war er an der Regierung wesentlich beteiligt gewesen. Man merkte,
daß er bei den Beratschlagungen, die dann vorkamen, immer für
die mildere Meinung gestimmt habe.
Vor
seinem Prokonsulat in Asien, einem Amte, das leicht zu Eigenmächtigkeiten
und Bereicherungsgelüsten Anlaß gab, war das allgemeine Urteil,
er habe es nicht alleine mit Würde, sondern mit einer gewissen
"Heiligkeit" verwaltet. In Antonius erscheint die Monarchie
in ruhiger und sicherer Fassung, selbstgenügsam und stark. An
die Stelle der Tyrannei, welche das Prinzipat ausübte, sieht
man eine väterliche Gewalt treten, die nicht ohne Strenge war.
Wie
Trajan, so hielt auch Antonius daran fest, daß er immer zugleich
als Privatmann erschien. In seinem Hause sah man ihn kleine
Dienste selbst verrichten. Er liebte das Schauspiel, vergnügte
sich an Jagd und Fischfang, hielt vergnügte Weinlese; er besuchte
die Gelage seiner Freunde und verstand Scherz. Die Macht des
Imperiums erscheint unter ihm gleichsam in bürgerlicher Gestalt."