DIOCLETIANUS
(CAIUS AURELIUS VALERIUS DIOCLETIANUS)
184-305 n. Chr.



 

"Er war ein geborener Illyrier, aber von geringstem Stande; man kannte den Senator, dessen Freigelassener er war; im Kriegsdienst hat er sich dann emporgearbeitet. Er hatte immer als der Freund seiner Freunde gegolten was auch zu seiner Erhebung beigetragen haben mag. Schon das Altertum hat seine Vorliebe für prächtiges Auftreten davon hergeleitet, daß er eben von niedrigster Herkunft war; um so höher habe er äußere Auszeichnungen geschätzt; indem er sich Herr nannte, habe er sich dann als Vater bezeigt."

"Nicht alles, was in den Notizen über die Reichsverfassung, die auf uns gekommen sind, enthalten ist, darf auf Diokletian zurückbezogen werden. Aber kein Zweifel ist, daß er den Grund derselben gelegt hat. Was er anordnete war nicht vorübergehend; es bezeichnete eine neue Gestalt der öffentlichei Dinge. Man scheut sich fast, von einer Monarchie zu sprechen, da die Gewalt unter vier Oberhäupter geteilt war; aber so verhält es sich doch: der monarchische Gedanke in Bezug auf die inneren Verhältnisse machte sich in den verschiedenen Gebieten zugleich bemerkbar. An Stelle der Vorrechte der römischen Bürger, der mit der Prärogative des Senats zusammenhängenden administrativen Einrichtungen erscheint eine Gesamtheit, die auf dem Begrif der allgemeinen Gleichheit und der allgemeinen Pflicht, zur Verteidigung beizutragen, beruht."

"Was schon unter Alexander dem Großen die Verschmelzung der beiden Elemente verhindert hatte, die Verschiedenheit der dem Oberhaupte dargebrachten Verehrung, trat jetzt erst in voller Wirksamkeit hervor. Die Satutation in griechischer und römischer Weise wurde in Adoration nach den Muster der persischen Könige verwandelt. Nichts war für Cäsar verderblicher gewesen, als die Andeutung, es könne der Fall eintreten, das Diadem wenigstens außerhalb Roms zu führen. Eben das setzte nun aber Diokletian der keine Rücksicht auf die Hauptstadt nahm und zu nehmen brauchte, eigenmächtig um; er trug das breite Stirnband, welches die Herrschaft bedeutete. Das römische Reich hatte seinen Mittelpunkt nicht mehr in Rom Über den Trümmern der nicht mehr haltbaren griechisch-römischen Einrichtungen erhob sich ein neues Gebäude der Administration, des Krieges der Justiz, dessen Kraft in einer Zentralgewalt gesammelt war und sich nun von oben her durch alle Bezirke der neuen Verwaltung ergoß: Ein rnächtiger politisch-militärischer Körper.

(Ranke, Weltgeschichte, Zweiter Band. Vierzehntes Kapitel)

 

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