Wer war Laokoon?

Laokoon, troischer Priester des Apollon (oder des Poseidon). Laokoon wurde mit seinen beiden Söhnen unter schrecklichen Qualen von Schlangen getötet, die ein entzürnter Gott geschickt hatte. Über die Ursache dieses Götterzorns gibt es zwei Überlieferungen. Eine (verlorene) Tragödie von Sophokles sah in Laokoon den Priester des Apollon, der trotz seiner Priesterwürde geheiratet hatte. Die Schlangen schickte der beleidigte Apollon. Die bekanntere Version berichtet Vergil in der Aeneis: Als die Griechen ihre Abfahrt von Troja vortäuschten und das hölzerne Pferd am Ufer zurückließen, warnte Laokoon davor, es in die Stadt zu holen, und schleuderte sogar seine Lanze dagegen. Da erschienen Schlangen aus dem Meer, umwanden Laokoon und seine Söhne, töteten sie und verschwanden im Tempel der Athene. Die Trojer sahen darin ein göttliches Zeichen, daß das Pferd ein Geschenk der Athene sei, und zogen ihr Verderben selbst in die Stadt.


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(Vatik. Museum, Rom)

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(Grösse: 89 mm, Euro 6,20)

Dargestellt ist der Todeskampf L.s und seiner beiden Söhne in einer berühmten freiplast. Gruppe (Rom, Vatikan; gefunden 1506). Sie ist mit dem von Plinius d. Ä. erwähnten Werk der rhod. Künstler Hagesandros, Polydoros, Athanadoros identifiziert und ins 1. Jh. v. u. Z. datiert worden. Das Werk, bei dem es sich um eine röm. Kopie handelt, hat seit seinem Auftauchen epochemachend auf die bildende Kunst des Klassizismus ausgewirkt.

Der Mythos wurde vor allem in der Neuzeit berühmt durch die Laokoon-Gruppe, eine Marmorplastik aus dem 1.Jh.v.u.Z., die im Jahre 1506 in Rom gefunden wurde. Sie zeigt Laokoon und seine beiden Söhne im Todeskampf mit den Schlangen. Bereits Plinius beschrieb diese Plastik, die von den Bildhauern Hagesandros, Athanadoros und Polydoros aus Rhodos geschaffen wurde und die das Bild der antiken Kunst bis ins 18.Jahrhundert entscheident beeinflußte. Michelangelo und Bernini sahen in diesem Werk den Höhepunkt der antiken Kunst. Besondere Bedeutung gewann die Plastik für die Ästhetik der deutschen Aufklärung und der Weimarer Klassik. Für Lessing war sie Anlaß zu seiner Schrift "Laokoon oder Über die Grenen der Malerei und Poesie" (1766), die allgemeine Gesetzmäigkeiten der Künste im Vergleich der Beschreibung der Szene bei Vergil mit dem Kunstwerk untersucht; Goethe sah in dem Werk die Verkörperung klassischer ästhetischer Ideale (Über Laokoon, 1798). Seit der Auffindung bedeutender Plastiken der klassichen griechischen Kunst wird die Laokoon-Gruppe gemäßigter beurteilt. Auch beziehen sich die genannten Schriften auf ein Kunstwerk, das in der Renaissance falsch ergänzt wurde und erst in der Gegenwart sein (wahrscheinlich) originales Aussehen wiedererhalten hat.


(Quelle: Kleines Lexikon der griechischen und römischen Mythologie, Bibliographsches Institut Leipzig 1989, 1.Aufl., S.219f. )

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