Wer war Marcus Antonius?


44 - 30 v. Chr.

" Überhaupt kann man wohl sagen, daß kein anderer Feldherr zu jenen Zeiten ein Heer zusammengebracht habe, das dies an Kraft, an Ausdauer oder an Rüstigkeit übertroffen hätte; aber die Ehrfurcht vor dem Feldherrn selbst, die Folgsamkeit, verbunden mit der Liebe und Zuneigung, die bei allen ohne Ausnahme, bei Vornehmen und Geringen, bei Offizieren und Gemeinen herrschende Gesinnung, die Gunst und Achtung des Antonius ihrer eigenen Sicherheit und Wohlfahrt vorzuziehen, konnte selbst bei den alten Römern nicht größer gewesen sein. Der Ursachen davon waren, wie schon oben bemerkt, mehrere, nämlich die edle Abkunft des Antonius, seine eindringende Beredsamkeit, sein schlichtes, aufrichtiges Betragen, seine Freigebigkeit und Größe im Schenken, seine frohe Laune beim Scherz und in der Unterhaltung."

" In seinem Charakter lag eine gewisse gutherzige Einfalt, und damit war noch ein ziemlich stumpfes Gefühl verbunden. Merkte er aber die begangenen Fehler, so zeigte er große Reue, gestand selbst denen, die darunter gelitten hatten, seine Schuld und übertrieb es sowohl in der Vergeltung als in der Bestrafung; doch schien er mehr im Wohltun als im Strafen das Maß zu überschreiten. Seine Scherze und Spöttereien, die gewöhnlich sehr bissig waren, enthielten auch zugleich eine helfende Arznei. Denn es stand jedem frei, ihm die Spöttereien und Sticheleien zurückzugeben, und so gern er über andere lachte, ebenso gern ließ er sich wieder auslachen. "

"Zu diesem dem Antonius natürlichen Charakter gesellte sich nun das letzte Übel, die Liebe zu Kleopatra, welche nicht nur viele in ihm verborgen liegende und schlummernde Leidenschaften rege machte und bis zur Wut entflammte, sondern auch das wenige Gute und Heilsame, das ihnen etwa noch die Waage halten mochte, vollend unterdrückte und vernichtete."

(Plutarch, Lebensbeschreibungen, Marcus Antonius)

 

 

 

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