Wer war "Publius Cornelius Scipio Aemilianus Africanus Numantinus"
minor, Sohn des L. Aemilius Paullus (168 v.Chr. Sieger bei Pydna); 146 v.Chr. Zerstörer von Carthago; 133 v.Chr. Zerstörer von Numantia

 

In die aus dem Fels herausgehauenen Scipionengrüfte an der Via Appia in Rom sind die ältesten vollständig erhaltenen lateinischen Gedichte eingemeißelt.

Sie künden von den Taten des Scipionischen Patriziergeschlechts während dreier Jahrhunderte, denn vor und nach Publius Cornelius Scipio Africanus dem Älteren schenkte diese Sippe dem römischen Staat große Männer, die meisten bewährten sich in den Punischen Kriegen.

Scipio der Afrikaner überragte sie alle. Sein Großvater eroberte Korsika, sein Vater focht als Feldherr, allerdings erfolglos gegen Hannibal und fiel in Spanien. Dort übernahm Scipio den Oberbefehl, erstürmte Karthago, gewann durch Verhandlungen die iberischen Völker, schlug Hannibals Bruder Hasdrubal und vertrieb die Punier aus Spanien. Nachdem er ein Jahr Konsul gewesen war, landete er in Afrika und siegte auf den "Großen Feldern". Hannibal, bis dahin als lebensgefährliche Bedrohung in Italien operierend, eilte zur Entlastung der Heimat herbei.
Bei Zama kam es 202 zur Entscheidungsschlacht, in der Scipio triumphierte. Die Wende in dem ungeheuren jahrzehntelangen Ringen war erzwungen. Karthago mußte Frieden schließen und sich fortan auf afrikanische Gebiete beschränken. Ferner mußte es die phantastisch hohe Summe von zehntausend Talente an Rom zahlen, die Flotte bis auf zehn Schiffe reduzieren und alle Streitelefanten ausliefern; auch durfte es Kriege nur mit Roms Einwilligung führen und war somit wehrlos.
Der römische Senat verlieh Scipio für seine Verdienste den Ehrennamen Africanus. "Der Afrikaner", den im dritten punischen Krieg auch ein Adoptivkind seines Sohnes Publius mit dem Zusatz "Der Jüngere" erwerben sollte.

Er verkörpert nicht nur beispielhaft den "besten Staatsmann", sondern auch das Selbstverständis des neuen, an griechischer Kultur gebildeten Römers, der mehr als nur Bauer und Soldat, am griechischen Geistesleben teilnimmt, mit Leuten wie Panaitios und Polybios verkehrt, zu philologischen Fragen wie der nach dem historischen Sokrates Stellung bezieht, und trotzdem im Denken und besonders im Handeln ein echter Römer geblieben ist.
Ein wesentliches Element dieser Bildung ist eine aufgeklärte Gelehrsamkeit, die durch physikalische Erklärung den Aberglauben überwindet; den eigenen Standpunkt relativiert und in einen größeren Zusammenhang einordnen kann.
Wenn Scipio Vorbehalte gegen das maßlose Spekulieren des Griechen äußert (1,15), beweist er sich. indem er zwischen philosophischer Spekulation und römischem Pragmatismus vermittelt, als die rechte Synthese von beidem.

Scipio ist die Hauptfigur von "de re publica" aber steht als Staatsmann auch im Zentrum der politischen Erneuerung Roms, wie sie Cicero in seiner politischen Theorie als einzige Möglichkeit aufzeigt. Auf seine Person spitzt sich alles zu. Er wird, wenn er überlebt, den Staat als Dictator erneuern. Dass er nicht überlebt, trägt von vornherein eine tragische Grundstimmung in das Werk. Sie breitet sich über die Person Scipios, den römische Staat und die politischen Visionen Ciceros von vorne herein ein Mantel des Tragik.


 

 

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